Krise und Kämpfe

Blog der RSO

Monatsarchive: Januar 2011

Umweltschutz = Antikapitalismus

Die Verschmutzung unserer Umwelt durch den Kapitalismus nimmt immer krassere Ausmaße an. Lebensräume werden zerstört, Menschen, Tiere und Pflanzen und die gesamte Umwelt sind gefährdet. Durch steigendes individuelles Verkehrsaufkommen und die verschwenderische Industrie hat die Verschmutzung in den letzten Jahren stark zugenommen. Trotzdem wird zum Beispiel im Transport von den Regierungen immer noch auf Straße statt Schiene gesetzt. Die Gesetze, die bewirken sollen, dass die Belastung der Luft durch Abgase geringer wird sind zahnlos und werden von den Unternehmen immer wieder hintergangen. Es wird immer unwahrscheinlicher, dass die kapitalistischen Regierungen es schaffen die globalen CO2 Emissionen zu verringern. Um den Klimawandel wirklich bekämpfen zu können brauchen wir eine andere Wirtschaft, die nicht nach Profitinteressen, sondern nach den Bedürfnissen der Menschen und der Umwelt funktioniert.

 

Tunesien: Kapitalismus, Armut und Revolution

Die schlechten Lebensbedingungen haben in Tunesien zum Ausbruch einer Revolte geführt. Während sich das diktatorische Regime von Präsident Ben Ali bereicherte, stiegen Arbeitslosigkeit und Elend in der Bevölkerung .

Seit Monaten sind in Tunesien soziale Unruhen an der Tagesordnung. Knapp 900 gab es im Schnitt monatlich und in vielen Firmen streikten ArbeiterInnen. Die offizielle Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 21,3% und die allgemeine Arbeitslosigkeit steigt. Erhöhung der Kosten für Lebensmittel um bis zu 30% Anfang Jänner sorgten für explosive Stimmung, der Preis von Öl, Mehl und Zucker stieg in den letzten drei Monaten sogar um 80%.

Die öffentliche Selbstentzündung eines jungen Mannes war schließlich zündender Faktor für Massenproteste in allen größeren Städten Tunesiens. Tausende Menschen, größtenteils Jugendliche, sind auf die Straße gegangen und haben für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen gekämpft.

Dein „Freund und Helfer“

Der tunesische Staat antwortete auf den Protest mit roher Gewalt. Dabei kamen dutzende Menschen ums Leben, zahlreiche AktivistInnen wurden festgenommen und gefoltert. Presse und Internet wurden zensiert, Demonstrationsverbot und Ausgangssperre verhängt. Doch der Widerstand konnte dadurch nicht niedergeschlagen werden. Im Gegenteil sind die Leute noch wütender geworden und kämpften in Straßenschlachten gegen die Polizei und den Staat. Ein Großteil der tunesischen Bevölkerung befürwortet die Kämpfe.

Die Proteste haben sich auch diesmal schnell ausgebreitet, über das ganze Land und auf andere Schichten. Den kämpfenden Jugendlichen haben sich AnwältInnen, LehrerInnen angeschlossen, in einigen Regionen gab es Generalstreiks. Die Bewegung strahlt auch auf andere Länder aus. In Algerien und Marokko hat es ebenfalls Aufstände gegen das globale kapitalistische Elend gegeben.

Der Bewegung ist es sogar gelungen den verhassten Präsidenten Ben Ali zur Flucht zu zwingen, eine Übergangsregierung wurde eingesetzt. Dass diese jedoch den „kleinen“ Leuten hilft ist zu bezweifeln. Solange Kapitalismus herrscht wird es den Leuten nicht besser gehen, egal ob Diktatur oder scheinbare „Demokratie“.

Europa und die Revolte

Westliche Länder hatten selbstverständlich kein Problem mit den Menschenrechtsverletzungen unter Ben Ali. Frankreich sprach sich offen für den Diktator und sein unterdrückerisches Regime in der französischen Exkolonie aus. Ob dahinter wohl wirtschaftliche Interessen steckten?

Revolten, wie die in Tunesien, führen jedoch, wenn sie allein bleiben, in eine Sackgasse und werden brutal niedergeschlagen. Das hat im gleichen Land bereits der Aufstand von 1988 bewiesen. Um dem Staat der Mächtigen Parole bieten zu können, braucht es organisierten linken Widerstand mit klaren Perspektiven!

Auch wenn der Widerstand in Städten wie Wien nicht so groß ist, heißt das nicht, dass wir nichts gegen globale Ungleichheit tun können. Kapitalismus in Österreich ist derselbe Kapitalismus, der weltweit die Ärmsten der Armen zu Revolten treibt. Gegen Kapitalismus und globale Ungerechtigkeit aufzustehen ist unser aller Pflicht, in Tunesien, Österreich und der gesamten Welt. Nehmen wir uns ein Beispiel an der kämpferischen tunesischen Bewegung.

 

“Wos woar mei Leistung”?

Geht  es  uns  nicht  allen manchmal  so? Vergessen,  ein  paar  hunderttausend Euro zu versteuern, das kann schon mal passieren.  Wir  können uns  nicht  jedes unserer  Konten  in  Liechtenstein  merken. Und nach ein, zwei Jahren könnenwir uns dann auch nicht immer erinnern, wofür  wir  das  Geld überhaupt  bekommen haben. Daraus dann einen Skandal zu machen, das ist doch wirklich lächerlich …  oder?  Mal  ehrlich:  es  ist  doch ekelhaft,  dieser  schwarz-blauen  Eiterbeule beim Platzen zuzusehen. Denn eines sollten wir  wirklich nie vergessen: das sind alles Schmiergeldzahlungen bei Privatisierungen. Das ist das Vermögen der  Bevölkerung,  das  ÖVP  und  FPÖ verschleudert  haben  -  und  viele  ihrer FunktionärInnen  haben  sich  schamlos bereichert. Es gilt übrigens die Ungustlvermutung

XXXLutz räumt!

BetriebsrätInnen, die nicht auf Firmenlinie sind,  sondern konsequent  auf  Seite der  Beschäftigten stehen,  sind für  Unternehmen  unangenehm.  Der  Möbelhändler XXXLutz hat sich das Schweigen  oder  Verschwinden  kritischer  BetriebsrätInnen in Deutschland Berichtenzufolge  einiges  kosten  lassen.  Bis  zuhunderttausend Euro war  es  der  Firma wert. Wer nicht käuflich war, wurde an schlechter bezahlte Stellen versetzt. Das kann in Österreich nicht passieren. Hier hat Lutz dafür gesorgt, dass erst gar keine  Betriebsratsstrukturen  entstehen! Mobbing,  Schikanen  und  Ausbeutung können  so  im Betrieb  nicht  bekämpftwerden.  Denn wie  sollen  Sich  unsere KollegInnen bei Lutz wehren, ohne sich zu organisieren? Denn alleine sind wirschwach,  aber  gemeinsam  sind  wir stark!!!

1,5 Mio Frauen gegen Wal-Mart

Die US-amerikanische Supermarktkette Wal-Mart soll weiblichen Beschäftigtenlange Zeit  deutlich weniger  Gehalt  bezahlt  haben,  als  Männern  in  gleichen Positionen.  Bei  Beförderungen  sollen Frauen  ebenfalls  keine  Chance  gehabt haben. Dagegen wehrten sich ursprünglich 7 Kolleginnen im Jahr 2001 mit einer Klage. Das löste einen Flächenbrandaus:  1,5  Mio.  Frauen  wollen  sich  anschließen.  Ob die größte Sammelklage der amerikanischen Geschichte zugelassen wird oder nicht, wird bis Mitte desJahres  vom Obersten Gericht  entschieden. Diskriminierende Firmenpolitik ist viel  zu  oft Profitfaktor!  Hier  könnten die Wal-Mart-Frauen jedoch eine milliardenschwere Watschen verteilen

Die ÖVP und die “Bildungsreform”

So sieht also eine „Bildungsreform“ aus, wenn es nach der ÖVP geht: Die Hauptschule soll unbenannt werden in „Neue Mittelschule“, ansonsten bliebe fast alles beim Alten. Das wiederum bedeutet, dass der Zugang zu verschiedenen Ausbildungen weiterhin extrem stark von der sozialen Herkunft der Betroffenen abhängen wird. (Z.B. machen 90% der Kinder von AkademikerInnen die Matura, während es bei Kindern von un- oder angelernten ArbeiterInnen nur wenige Prozent sind).

Gleichzeitig will die ÖVP den Jugendlichen weitere Hürden aufstellen: So soll der Übergang von der Haupt.. also von der „Neuen Mittelschule“ nur nach dem Bestehen einer „Mittleren Reife“ möglich sein. Bis jetzt musste „nur“ ein gewisses Leistungsniveau erfüllt werden.

Doch auch im ÖVP-Dunstkreis sind sich nicht alle einig. Die Industriellenvereinigung zum Beispiel spricht sich für eine Gesamtschule aus, freilich mit Leistungsgruppen. Wesentliche Kapitalfraktionen haben erkannt, dass Österreich gut qualifizierte Fachkräfte braucht, wenn es sich als High-Tech-Standort behaupten will. Wer Matura macht bzw. studiert, ist ihnen egal, Hauptsache die „Besten“ kommen durch. (Ihre eigenen Kinder können sie ja weiter auf elitäre Privatschulen schicken). Blockiert wird das derzeit noch von den unteren und mittleren ÖVP-FunktionärInnen. Ihre Sprösslinge sollen sich auch weiterhin das Gymnasium mit möglichst wenigen „Proleten“ und „Ausländern“ teilen müssen.

Die ÖVP vermittelt also, sie wäre einen Schritt auf die SPÖ zugegangen – was von dieser sogleich gewürdigt wird. Es ist daher zu befürchten, dass Faymann und Co. bei ÖVP-Forderungen nachgeben, zum Beispiel bei der Wiedereinführung von unsozialen Studiengebühren (so wie sie es die letzten Jahren in anderen Fällen schon so oft getan haben). Und führende SP-FunktionärInnen wie Salzburgs Landeshauptfrau Burgstaller haben ja bereits angekündigt, selbst für Studiengebühren durchaus offen zu sein.

Eine flächendeckende ganztägige Gesamtschule für alle bis 14 Jahre, wie von der SPÖ gefordert, wäre ein Fortschritt. Einerseits würde es ein wenig mehr Chancengleichheit herstellen, andererseits würden arbeitende Eltern stark entlastet.

Allerdings wird es im Kapitalismus immer ein „unten“ und ein „oben“ geben. Konkurrenz findet nicht nur zwischen Unternehmen statt, sondern auch zwischen Arbeitskräften. Und so muss ein jede/r danach trachten, möglichst viel Qualifikation anzuhäufen, um die anderen KonkurrentInnen zu übertrumpfen. Die Kinder der Reichen werden dabei immer einen Vorteil haben, zum Beispiel durch teure Nachhilfe. Oder dadurch, dass der Papa einen Job vermitteln kann… Allerdings: Ist nicht schon das System der Konkurrenz an sich völlig absurd?

Aufgaben der Schule im Kapitalismus

Wir SchülerInnen verbringen den größten wachen Teil unseres Tages in der Schule und sind so permanent den LehrerInnen und Lehrplan ausgesetzt. Doch: welche Aufgabe haben die Schulen Deutschlands im Kapitalismus? Die allgemeinen Lehrbücher über die schulische Sozialisation geben Aufklärung.

1. Aufgabe Qualifikationsfunktion

Die Schule soll uns für die spätere Arbeit qualifizieren und uns „einfache“ Weisheiten beibringen wie „Die Polizei ist dein Freund und Helfer“ oder „Wenn du nur hart genug arbeitest, kannst du es mal zu was bringen“. Es ist aber für den überwiegenden Teil schon allein mathematisch nicht möglich, durch harte Arbeit von der arbeitenden Klasse zur besitzenden Klasse aufzusteigen. (Siehe hierzu Ernest Mandel „Einführung in den Marxismus“)

Eine weitere wichtige Qualifikationsfunktion der Schule besteht darin, die SchülerInnen darauf zu trimmen, immer pünktlich zu kommen, ihre Aufgaben fristgerecht abzugeben, die Erwachsenen bzw. die LehrerInnen – also die Vorgesetzten – zu Siezen und zu respektieren, immer fleißig zu sein und immer leistungsbereit zu sein. Dies sind alles Eigenschaften, die zum Erhalt des kapitalistischen Systems nützlich sind, da die Ware Arbeitskraft so ein gewisses Grundniveau erreicht.

2. Aufgabe Selektionsfunktion

Es wird schon sehr früh in Leistungen aufgeteilt. In Berlin ab der 6. Klasse (mit 10-11 Jahren) in anderen deutschen Bundesländern ab der 4. Klasse (mit 8-9 Jahren). Rechtlich gesehen haben die Kinder kein Mitentscheidungsrecht, da sie erst ab 14 Jahren entscheidungsmündig sind. Diese Selektion hat weniger etwas mit der Leistung der SchülerInnen zu tun als mehr mit dem sozialen Hintergrund der Familien. Eine akademische Familie wird ihr Kind sehr viel wahrscheinlicher auf ein Gymnasium schicken als eine Familie aus sozial schwachen Verhältnissen. Das liegt vor allem an den Voraussetzungen, derer es bedarf, sein Kind auf eine „gute“ Schule zu schicken, denn das kann mit zusätzlichen Kosten verbunden sein angefangen von Fahrtkosten bis hin zu Schulgeld.

Das deutsche Schulsystem ist so aufgebaut, dass ein Aufstieg von einer Sekundarschule (7-10 Klasse, Mittlerer Schulabschluss möglich) zu einem Gymnasium (7-12 oder 13. Klasse) oder zu einer Universität nahezu unmöglich ist. Den SchülerInnen mit „nur“ einem mittleren Schulabschluss bleibt oft auch nichts anderes übrig, als im Anschluss auf eine Berufsschule zu wechseln, in der ein weitergehender Schulabschluss kombiniert mit einer Berufsausbildung und praktischen Erfahrungen erreicht werden kann. Diese praktischen Erfahrungen sehen oft so aus, dass die SchülerInnen als billige Arbeitskräfte sehr stark ausgebeutet werden. Mensch könnte also die Selektionsfunktion als die Trennung in Hand- und Kopfarbeit zusammenfassen.

3.Aufgabe Legitimations-Integrationsfunktion

„Die Schule soll ihren Beitrag zur Stabilisierung des jeweiligen politischen Systems leisten.“ Wie oben schon erwähnt, soll die Schule den Menschen unter anderem daran gewöhnen, unterdrückt zu sein oder sich unterzuordnen, eine eigene Meinung zurückzuschrauben. Denn die LehrerInnen sind vom Staat vertraglich dazu verpflichtet, sich an den Lehrplan zu halten und SchülerInnen, die sich dagegen aussprechen, an der so genannten kurzen Leine zu halten. SchülerInnen erfahren so, dass eigene Meinungen unerwünscht sind und stures Auswendig lernen und Wiedergeben die Devise ist – kein Wunder, dass so selbstständiges, politisches Denken nicht gefördert wird und SchülerInnen dann oft sogar eine Abneigung gegen Politik entwickeln.

4. Aufgabe Kulturüberlieferung

Die letzte Aufgabe, die wir hier behandeln wollen ist es, die SchülerInnen dazu zu bringen, dass sie sich mit ihrem national spezifischen Kulturgut identifizieren. So kommt es zu langweiligen Besuchen in didaktisch schlecht aufbereiteten Ausstellungen oder Museen und stundenlangen Vorträgen über die nationale Geschichte und die Entstehung der bundesdeutschen Demokratie.

Damit ist nicht gemeint, dass diese Themen nicht wichtig sind. Doch sie werden entweder zu allgemein und unspezifisch und damit zu langweilig behandelt oder zu tiefgründig und moralisch, so dass sie den SchülerInnen zu den Ohren wieder herauskommen. Es fehlt ein Klassenstandpunkt, eine Klassenanalyse.  Und es fehlt neben der Geschichte der Herrschenden die lebensnahe Geschichte unserer Klasse. Ein gutes Beispiel ist auch der Unterrricht über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust. Anstatt zu vermitteln, wie es tatsächlich dazu kommen konnte und auch zu versuchen, die damaligen Positionen in einen aktuellen Kontext zu stellen, wird rein moralisch unterrrichtet – was an den meisten SchülerInnen völlig vorbeigeht.

Die praktische Bildung von SchülerInnen sollte viel mehr dahingehen, dass Dinge praktisch begriffen und damit auch angefasst werden können anstatt immer nur abstrakt darüber zu reden oder sie in Musen nur anstarren zu können.

Alternativen/Schlussfolgerungen

Die Schule ist nicht wertfrei. Die Schule hat im Kapitalismus eine bestimmte Funktion.  Wehrt euch gegen diese Form der sozialen Unterdrückung, sagt den LehrerInnen eure Meinung, lasst euch nicht von den Drohungen der Unterdrückungsorgane abschrecken. Diskutiert mit euren LehrerInnen über den Unterricht, zeigt ihnen Alternativen auf,wie ihr es besser finden würdet. Und vor allem: Organisieren wir uns, gemeinsam sind wir stark!

 

Zum Weiterlesen:

Debatte zur Gesamtschule:

http://www.sozialismus.net//content/view/1568/45/

Einschätzung der Bildungsstreikbewegung:

http://www.sozialismus.net//content/view/1486/63/

Besetzung der Albert Einstein Schule in Berlin

http://www.sozialismus.net//content/view/1462/63/

„Scheiß“ Schule

http://www.sozialismus.net//content/view/1404/63/

Broschüre: “Bildung & Schule”

http://www.sozialismus.net//content/view/1390/272/

 

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