Krise und Kämpfe

Blog der RSO

Null-Lohnrunde? Widerstand!

Das Wiener Budget für 2013 ist beschlossen, die Null-Lohnrunde eingeplant. In vielen Dienststellen wurde und wird weiterhin dagegen mobilisiert. Was ist passiert und was können wir weiterhin tun?

Die Vorsitzenden der Gewerkschaft öffentlicher Dienst (GÖD) und der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG-KMSfB) haben schon im Frühjahr einer Null-Lohnrunde zugestimmt. Und das ohne Befragung der KollegInnen, der Personalvertretungen, der Dienststellen oder auch nur Verhandlungen zu führen. Die Null-Lohnrunde scheint nun so gut wie fix. Das heißt: die Löhne bleiben gleich, während die Preise steigen. Laut Statistik Austria verteuerten sich die Güter des täglichen Bedarfs seit dem Vorjahr um 6,7%

Wer steckt dahinter?

Es gibt Verantwortliche für diese Politik: SPÖ und Grüne sitzen in Wien in der Regierung, SPÖ und ÖVP im Bund. Und wer glaubt, die Rechtsopposition sei besser, muss nur mal die Zeitung durchblättern: wenn FPÖ und BZÖ in der Regierung sind, legt danach das Korruptions-Gericht
eine Extraschicht ein.

Doch kommen wir zu Wien zurück. Hier sitzt im Gemeinderat unter anderem SPÖ-Mandatar Christian Meidlinger, der öffentlich klar für die Null-Lohnrunde eintritt. Meidlinger ist gleichzeitig Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten. Wir meinen: Das geht gar nicht! Meidlinger muss sich entscheiden: will er die Interessen der KollegInnen vertreten oder die Interessen der Regierung?

Doch Meidlinger ist nur ein Symptom. Das Problem sitzt tiefer: Die Spitzen der Gewerkschaft sind völlig abgehoben. Sie bekommen hohe Zulagen und haben keinerlei Interesse, jemals wieder in den Beruf zurückzukehren. Sie bilden eine eigene Bürokratie mit eigenen Interessen. Gewerkschaftsspitzen dürfen wir nicht trauen, vor allem wenn sie gleichzeitig im Rathaus oder Parlament sitzen!

In der Gewerkschaft rumort es allerdings ordentlich. Während Meidlinger die Null-Lohnrunde durchboxen will, mobilisiert ein immer größerer Teil der PersonalvertreterInnen gegen die Null-Lohnrunde. Die Personalvertretung der Wiener Bäder zum Beispiel hat Meidlinger stundenlang in seinem Büro zur Rede gestellt. Dienststellenausschüsse und Personalvertretungen, die mehr als die Hälfte der Gemeindebediensteten vertreten, haben sich mit Resolutionen gegen die Nulllohnrunde ausgesprochen, außerdem viele Betriebsräte ausgelagerter Bereiche. Neben der Ablehnung der Null-Lohnrunde wird die Gewerkschaftsführung aufgefordert Widerstand zu organisieren.

Wie weiter?

Neben den Resolutionen wurden tausende Unterschriften gesammelt. Das ist ein guter Anfang, aber offensichtlich reichen diese Druckmittel nicht aus. Um wirklich Druck auf die Gewerkschaftsführung und die Regierung ausüben zu können, müssen wir selbst aktiv werden und dürfen uns auch nicht erwarten, dass die Personalvertretungen eh alles für uns machen.

Stattdessen müssen wir selbst Vorschläge besprechen. Es bräuchte Betriebsversammlungen in der Arbeitszeit, wie es die MetallerInnen im Oktober gemacht haben. Dort könnten dann gemeinsam, unter Einbeziehung möglichst vieler KollegInnen, Aktionen geplant werden. Als Beispiele könnten wir uns die Demonstration der KAV-Beschäftigten im September 2011 vor dem Rathaus nehmen, wirksamer wäre ein Streik wie am großen Krankenhaus Charité in Berlin.

Diskussionen und Vernetzung in den Dienststellen sind wichtig und haben auf jeden Fall ordentlich Staub aufgewirbelt und für Aufmerksamkeit gesorgt. Dass sich so viele Personalvertretungen gegen die Null-Lohnrunde ausgesprochen haben, hängt damit zusammen, dass sie spüren, wie wütend die KollegInnen sind.

Selbst wenn es dieses Jahr nicht gelingen sollte, die Null-Lohnrunde zu verhindern, gibt es genug andere Missstände gegen die wir auftreten können. Für 2014 hat die Regierung eine Lohnerhöhung von 0,7% im öffentlichen Dienst eingeplant… Organisieren wir uns, bereiten wir uns auf die nächsten Angriffe vor! Der Klartext hilft dabei. Melde Dich bei uns unter klartext@sozialismus.net oder sprich die KollegInnen an, die Dir den Klartext gegeben haben!

Griechenland: Spitalspersonal 8 Monate ohne Lohn!

Die KollegInnen des Errikos Dynan Spitals in Athen bekommen wegen der Sparmaßnahmen seit 8 Monaten keinen Lohn mehr und sind mittlerweile zu Recht stinksauer.  Als die deutsche Bundeskanzlerin Merkel Anfang Oktober das neueste EU-Diktat in Athen verkündet hat, haben auch diese KollegInnen gemeinsam mit vielen anderen protestiert. Sie kamen aus dem Spital und stellten sich am Rand einer Straße auf, die der Autokonvoi von Frau Merkel passieren wollte. Die Polizei hat Tränengas gegen die KollegInnen eingesetzt und sie mit ihren Schilden geschlagen! Die KollegInnen haben sich zur Wehr gesetzt und Plastik-Wasserflaschen auf die Polizisten und auf den Autokonvoi von Merkel und Co geworfen. Wir verstehen diese Wut und meinen: Kürzen wir doch bei Banken und Konzernen – aber niemals bei Gesundheit und sozialen Diensten!

Null-Lohnrunde: Nicht mit uns!

Im Bereich der Gemeinde Wien soll es 2013 eine Null-Lohnrunde geben. Das heißt: die Löhne bleiben gleich, während die Preise steigen. Was bedeutet das konkret – und was können wir dagegen tun?

http://www.sozialismus.net/images/klartext/klartext_6_vs.pdf

Der Kampf der Bergarbeiter

Vor Monaten fing es in Spanien an: Bergarbeiter bewaffneten sich um gegen die Schließung ihrer Minen zu kämpfen. Auch in Sardinien stellten sich die Arbeiter gegen Entlassungen. Ein Arbeiter schnitt sich vor den Journalisten die Pulsadern auf, um seine tiefe Verzweiflung zu zeigen. Und in Südafrika wurden einige Minenarbeiter während eines Protests kaltblütig von der Polizei ermordet. Doch die Kollegen kämpfen weiter – für ihr Recht auf Arbeit und ein gutes Leben.

AKH Wien: LeiharbeiterInnen gründen Betriebsrat

Im Wiener AKH arbeiten ca. 1 000 Beschäftigte der Leiharbeitsfirma AGO. Die ArbeiterInnen haben sich selbst an der Basis organisiert und einen Betriebsrat gegründet, um ihre Rechte durchsetzen zu können. Die Geschäftsführung hat versucht die Gründung durch Einschüchterungen, Tricks und Kündigungen zu verhindern. Durch Zusammenhalt und Entschlossenheit ist es trotzdem gelungen. Das ist ein großer Erfolg. Die KollegInnen müssen aber weiterhin hart für ihre Rechte kämpfen. Der AGO Betriebsrat freut sich über Solidaritätsnachrichten und vernetzt sich gerne mit KollegInnen von anderen Krankenhäusern und Leiharbeitsfirmen. Kontakt: betriebsrat.ago@gmx.at oder über klartext@sozialismus.net

Widerstand gegen Kündigungen bei Schöller-Bleckmann

Im niederösterreichischen Ternitz geht es derzeit in der Bude von Schöller-Bleckmann rund. Die 400 KollegInnen dort produzieren Stahlrohre, derzeit produzieren sie aber auch Ärger und Widerstand. Der Betrieb wollte auf 4-Schicht-Betrieb umstellen, die KollegInnen haben sich mit einer Unterschriftenliste gewehrt. Nun ist durch das entschlossene Auftreten der KollegInnen die Umstellung erst mal vom Tisch, doch 4 Kollegen wurden entlassen. Kollege Murat Kapçak, seit 16 Jahren bei Schöller, erzählt, dass die Firma inzwischen Leiharbeiter eingestellt hat, es kann also sein, dass weitere Entlassungen folgen sollen. Kollege Hasan Orhan, einer der Gekündigten, hatte bei der letzten Wahl noch zum Betriebsrat kandidiert, offensichtlich erfolgt jetzt die Retourkutsche. Wir meinen: Wenn sie einen von uns angreifen, greifen sie uns alle an! Keine Leiharbeit! Volle Solidarität mit Hasan und den drei anderen Kollegen!

Löhne rauf, Preise runter!

Wenn uns im Supermarkt der Schlag trifft, muss das nicht unbedingt mit unserem Gesundheitszustand zu tun haben. Eher hat es mit den Preisen für Lebensmittel und andere Produkte zu tun. Denn im Gegensatz zu unseren Löhnen und Gehältern steigen die Preise offenbar unaufhaltsam. (Hauptartikel des KLARTEXT, unseres monatlichen Betriebsflugblatts im Wiener Gesundheitsbereich)

Aktuell beträgt die Inflationsrate 2,2% . Das heißt, dass die Preise in Österreich heute um durchschnittlich 2,2% höher sind, als vor einem Jahr. Kann nicht wahr sein, werden sich jetzt viele denken. Und sie haben Recht damit! Denn die Preise für Dinge, die wir täglich brauchen – Lebensmittel, Hygieneprodukte oder Sprit – sind viel stärker gestiegen. Werden nur diese Preise berechnet, so ist die Inflation viel höher. In den letzten zweieinhalb Jahren hat sich der wöchentliche Einkauf um 13% verteuert, seit 2005 sogar um ein Viertel!

Diese Zahlen machen nur deutlich, was wir ohne Statistik schon längst wissen: Wir können uns um unser Geld immer weniger leisten! Denn unsere Löhne steigen bei weitem nicht in diesem Ausmaß. PolitikerInnen und Gewerkschaftsbosse wollen uns die jährliche Gehaltserhöhung als Erfolg verkaufen – aber das ist meistens keine „Erhöhung“ sondern liegt unter der realen Steigerung der Preise.

Wohnen wird zum Luxus

Noch stärker als die Lebensmittelpreise steigen in Wien Gebühren und Mieten. Eine halbwegs anständige Wohnung zu finden wird immer schwieriger. Seit Jahren schon baut die Stadt Wien keine neue Gemeindewohnungen mehr, obwohl es lange Wartelisten gibt.

Wer aufs Auto angewiesen ist, um in die Arbeit zu kommen, wird sich bald einen Kredit aufnehmen müssen, wenn es mit den Spritpreisen so weiter geht. Angeblich steigen diese, weil weltweit die Nachfrage nach Öl steigt. In Wirklichkeit aber cashen nur die Ölkonzerne wie Shell, Exxon oder OMV ab, deren Gewinne auch während der Krise noch gestiegen sind.

Sie kennen unsere Sorgen nicht!

Viele von uns, besonders jene mit Kindern, müssen jeden Cent zwei Mal umdrehen. Die PolitikerInnen und KapitalistInnen haben diese Sorgen nicht. Die Parlamentsabgeordneten verdienen 8000 Euro monatlich und haben noch genug Zeit für etliche lukrative Nebenjobs.

Diese Menschen wissen nicht, was es heißt, mit 1000 Euro im Monat auskommen zu müssen. Vielleicht erinnern sich manche noch daran, als Multimillionärin Fiona Swarowski den Leuten empfohlen hat, sie sollen doch Gemüse auf dem Balkon anbauen. Außerdem meinte sie, dass in der Wirtschaftskrise ja „alle“ sparen müssten. Völlig zynisch und weltfremd! Denn die großen Unternehmen machen trotz Krise Milliardengewinne. Die ManagerInnen der wichtigsten börsennotierten Unternehmen Österreichs verdienen heuer um satte 20% mehr als noch im letzten Jahr.

Trotzdem will die Politik bei uns sparen. Doch das sollten wir uns nicht gefallen lassen. Damit wir nicht von Jahr zu Jahr immer weniger zum Leben haben, sollten unsere Löhne und Gehälter automatisch an die wirkliche Inflation angepasst werden. PolitikerInnen und KapitalistInnen werden vielleicht behaupten, dass wäre unrealistisch. Für „realistisch“ halten es diese Damen und Herren allerdings, wenn Banken mit Milliardenbeträgen gerettet werden. Und sie halten es für „realistisch“, wenn die arbeitende Bevölkerung für die Krise bezahlen muss: Durch Kürzung von Sozialleistungen, Stellenabbau oder höhere Steuern und Gebühren.

Auf diese Stimmen brauchen wir nicht hören. Stattdessen sollten wir unsere Anliegen mit der gleichen Selbstverständlichkeit vertreten, wie sie es tun. Im Herbst beginnen wieder die jährlichen Lohn- und Gehaltsverhandlungen. Da sollten wir schon im Vorfeld darauf achten, dass die Gewerkschaftsführung nicht umfällt. Dieses Jahr muss es eine ordentliches Erhöhung geben! Das sollten wir auch unsere Personalvertretungen wissen lassen, damit diese es weiter geben können. Denn so kann’s nicht weiter gehen. Reden wir Klartext!

Schuldenkrise: Wir schulden ihnen gar nichts!

Jeden Tag erfahren wir in den Medien von der so genannten „Schuldenkrise“. Und wenn PolitikerInnen von Schulden sprechen, dann sind Sparpakete nicht weit. Leitartikel unserer Betriebsflugblätter im Juli in Wien

Andauernd wird uns eingeredet, dass die Staaten der EU riesige „Schuldenberge“ angehäuft hätten. Deshalb müsste jetzt gespart werden. Es gäbe zu viele Sozialleistungen, wir könnten uns die Pensionen nicht mehr leisten, die Kosten für das Gesundheitssystem wären zu hoch…

Das ist alles Unsinn! Der Staat Österreich hat nicht deswegen so viele Schulden, weil wir arbeitende Menschen angeblich über unsere Verhältnisse gelebt haben. Sondern weil die Reichen fast nirgendwo so gering besteuert werden, wie hier. Während wir „Normalsterbliche“ für jedes kleine Sparbuch 25% Kapitalertragssteuer zahlen müssen, haben sie ihr Vermögen in Stiftungen gebunkert, für die sie kaum Steuern zahlen müssen.

Es sind nicht unsere Schulden!

Viele KapitalistInnen drücken sich auf der einen Seite vor der Steuer und kaufen sich auf der anderen Seite Staatsanleihen. Sie borgen also dem Staat Geld, kassieren Zinsen dafür und bereichern sich so gleich doppelt am Budgetdefizit. Während der Staat ca. 220 Milliarden Euro Schulden hat, gibt es rund 1300 Milliarden Euro private Vermögen in Österreich. Geld, Grundbesitz, Immobilien. Geld ist also genug da, es ist nur in den falschen Händen!

Dazu kommt die internationale Wirtschaftskrise. Um Banken, die sich verzockt haben, zu retten, haben die europäischen Regierungen unvorstellbare Summen ausgegeben. Erst dadurch ist die Verschuldung vieler Länder (z.B. Griechenland) so stark angestiegen. Das Geld, das sie den maroden Banken nach geschmissen haben, wollen sie jetzt natürlich wieder hinein bekommen. Darum wird ein Sparpaket nach dem anderen geschnürt. Darum wird uns eingeredet, wir könnten uns Pensionen oder Gesundheitsausgaben nicht mehr leisten. Erst vor kurzem hat die Industriellenvereinigung vorgeschlagen, das Pensionsalter solle um weitere vier Jahre erhöht werden. Außerdem müsse im Gesundheitswesen noch deutlich mehr eingespart werden. Spinnen die? Es gibt schon jetzt viel zu wenig Personal in den Spitälern. Wir haben die Krise nicht verursacht, also wollen wir auch nicht dafür zahlen! Deshalb können wir ruhig für die Streichung aller Staatsschulden eintreten, denn diese Schulden sind auf der anderen Seite nur das Vermögen von Leuten, die schon reich genug sind.

Doch es kommt noch schlimmer: Im März haben Österreich und fast alle anderen EU-Staaten den so genannten „Fiskalpakt“ beschlossen. Jedes Land muss nun eine „Schuldenbremse“ einführen. Ab einem bestimmten Budgetdefizit kommt es zu automatischen Ausgabenkürzungen (= automatischer Sozialabbau).

Sind „die Griechen“ schuld?

H.C. Strache und die FPÖ behaupten, Österreich sei eigenständig besser dran. Strache tut so, als wären die Menschen in Spanien oder Griechenland, die er als „Faulenzer“ oder „Betrüger“ bezeichnet, schuld an der Krise. Über die Zocker-Geschäfte der heimischen Banken und den Hypo-Skandal in Kärnten sagt er natürlich nichts. Doch diese Ablenkung davon, dass die FPÖ-FreundInnen in den Chefetagen der Konzerne ungeschoren davon kommen, ist wirklich billig. Ein Blick ins Parteiprogramm genügt, um zu sehen, dass die FPÖ knallharten neoliberalen Sozialabbau möchte. Und der Korruptionssumpf im Umfeld von FPÖ/BZÖ ist natürlich auch alles andere als ein Zufall.

Die Rechten fordern den Austritt aus EU oder Euro. Doch das wird die Krise nicht verschwinden lassen, solange die Banken weiterhin tun können, was sie wollen. Stattdessen fordern wir, dass Banken, die mit Milliarden an – unseren – Steuergeldern gerettet werden, verstaatlicht und unter demokratische Kontrolle der Bevölkerung gestellt werden.

Gemeinsam sind wir stark

Ob Griechenland, Spanien oder Österreich – es ist überall das Gleiche. Überall müssen die Lohnabhängigen für die kapitalistische Krise büßen. Die Arbeitenden in Spanien oder Griechenland sind unsere KollegInnen. Mit ihnen haben wir viel mehr gemeinsam, als mit den feinen Herrschaften von SPÖ, ÖVP oder FPÖ und ihren Freunderln in den Chefetagen der Banken und Konzerne.

Gemeinsam sind wir stark! Wir müssen uns nur unserer Macht bewusst werden. Denn ohne uns Arbeitende läuft gar nichts. Ohne uns fährt kein Zug, fließt kein Strom, funktioniert kein Krankenhaus. Wir halten die Gesellschaft am Laufen. Natürlich ist es nicht einfach, sich zu organisieren und Widerstand zu leisten. Aber früher oder später wird es notwendig sein, dass wir uns wehren. Die Herrschenden sind weder fähig noch gewillt unseren Lebensstandard zu sichern. Dafür müssen wir schon selbst kämpfen.

 

Der Umsturz kann kommen

Laut einer im STANDARD erschienen Umfrage befürworten über 57% der ÖsterreicherInnen einen Umsturz und halten den Kapitalismus, das so genannte “politische System”, für unreformierbar. Angesichts immer härteren Ausbeutungsbedingungen am Arbeitsplatz, autoritärem Krisenmanagement von Oben und immer breiterer gesellschaftlicher Verarmung ist das kein Wunder. Vor allem junge Menschen ohne Zukunftsperspektiven erteilen dem etablierten System eine Absage – schließlich sind sie auch die HauptverliererInnen. Viele von ihnen sehen potentielle Bündnispartner für einen Umsturz in der FPÖ, doch die ist selbst Teil des unreformierbaren Systems und somit Teil des Problems. Nationalismus und Rassismus toben auch jetzt schon, davon profitiert allerdings kaum jemand. Aus der letzten vergleichbaren Krise hat sich der Kapitalismus in Faschismus und Weltkrieg herausgestohlen. Ein solcher Umsturz kann keine Antwort sein. Und weil es den Kapitalismus nicht ohne Ausbeutung von Mensch und Natur, Konkurrenz und endloser Profitmaximierung oder Kriegen gibt, können wir auf ihn auch verzichten. Der Kapitalismus ist die alltägliche Krise. Eine Überwindung der herrschenden Verhältnisse, die von Menschen über alle Grenzen hinweg solidarisch getragen wird und die sich gegen jede Form der Unterdrückung richtet, kann befreien und eine Grundlage für wahre Selbstbestimmung und soziale Lebensverhältnisse schaffen.

Österreichs Grüne lassen sich für neoliberalen ESM einkaufen

Dass die Spitzen von ÖVP und SPÖ ihre eigenen Großmütter verkaufen würden, um marode Banken zu retten, ist für Viele schon seit langem klar. Nun zeigen auch die Grünen wieder einmal ihr neoliberales Gesicht. Für die Zustimmung zum Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) haben sie sich – ziemlich billig – einkaufen lassen.

Im März haben Österreich und fast alle anderen EU-Staaten den so genannten „Fiskalpakt“ beschlossen. Jedes Land muss nun eine „Schuldenbremse“ einführen. Ab einem bestimmten Budgetdefizit kommt es zu automatischen Ausgabenkürzungen (= automatischer Sozialabbau). Den Fiskalpakt lehnen die österreichischen Grünen ab – zum ESM sagen sie nun aber Ja.

ESM hilft nur reichen Gläubigern

Laut der grünen Klubobfrau Eva Glawischnig ist der ESM „bei weitem kein Allheilmittel, aber sehr wohl ein notwendiges Instrument, um in Not geratenen Staaten zu helfen und die europäischen SteuerzahlerInnen vor einer Verschlimmerung der Krise zu bewahren.“

Helfen wird der Europäische Spekulationsmechanismus allerdings niemanden, außer KapitalistInnen, die mit Staatsschulden fette Profite machen. Länder, die Hilfe aus dem ESM erhalten, müssen ein „makroökonomisches Anpassungsprogramm“ umsetzen. Was sich hinter solchen Begriffen versteckt, können wir am Beispiel Griechenlands sehen. Um Hilfsgelder zu bekommen, müssen die Regierungen Sozialausgaben kürzen, wo es nur geht. Wenn Merkel und Co. davon reden, Griechenland müsse „seine Auflagen erfüllen“, dann heißt das in der Realität, dass immer mehr griechische Eltern ihren Kindern nicht einmal mehr genug zu essen kaufen können!

Die Hilfe kommt so nie bei der verarmten Bevölkerung an, sondern landet umgehend wieder in den Taschen jener reichen Gläubiger, dem das Land Geld schuldet. Und warum haben Staaten überhaupt Schulden? Unter anderem, weil Milliarden für die Rettung maroder Banken ausgegeben wurde und die KapitalistInnen kaum Steuern zahlen. So liegen etwa in Österreich geschätzte 50 Milliarden Euro in Privatstiftungen, für die deutlich weniger Steuern anfallen als für jedes stinknormale Sparbuch.

Grüne glauben an den Weihnachtsfaymann

Für die Zustimmung zum ESM haben sich die Grünen nun von der Regierung einkaufen lassen. Allerdings ziemlich billig, denn die Gegenleistungen dafür, dass die grüne Partei ÖVP und SPÖ im Parlament zu einer Zweidrittelmehrheit verhilft, sind ziemlich mager.

Neben „europaweit einzigartigen“ Mitspracherechten des österreichischen Parlaments, was Entscheidungen zum ESM betrifft, habe es laut Website der Grünen Zusagen der Regierung gegeben, sich für eine wirtschaftspolitische Neuorientierung der EU sowie die Abhaltung eines Konvents zu Europa einzusetzen. Na bumm! Werner Faymann hat Glawischnig also versprochen, sich in der EU für „Wachstum und Investitionen“ einzusetzen. Das ist wohl in etwa so viel wert wie das damalige Wahlversprechen der SPÖ, als Regierungspartei aus dem Eurofighter-Vertrag auszusteigen.

Grüne Ärzte am Krankenbett des Kapitalismus

Für manche stellen die Grünen noch immer eine linke Alternative dar. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass sie zu gesellschaftspolitischen Themen wie etwa Antirassismus hin und wieder ein paar sympathische Aussagen machen. (Doch auch hier müssen wir uns ihre Forderungen im Detail ansehen. So etwa, wenn Zuwanderung hauptsächlich unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Verwertbarkeit betrachtet wird.)

Wenn es aber um Wirtschaftspolitik geht, sieht die Sache schon anders aus. Laut ihrem Grundsatzprogramm ist „der Markt das effizienteste bisher bekannte Steuerungsinstrument für wirtschaftliche Aktivitäten“. Interessant. Jener Markt also, der in den letzten vier Jahren seit Ausbruch der Krise Millionen Menschen in die Armut getrieben hat?

Wie die aktuelle Weltwirtschaftskrise zeigt, hat der Kapitalismus als Modell, dass angeblich immer mehr Wohlstand für immer mehr Menschen bringt, versagt. Und alle politischen Kräfte, die sich eine Gesellschaft nur mit kapitalistischer Marktwirtschaft vorstellen können – darunter auch die Grünen – helfen bloß dabei mit, das Leiden zu verlängern.

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